Beiträge

Neujahrswünsche bzw. Beitrag für das Jahr 2024

Yoga-Sūtra II/46 (Patañjali)

[Näheres sowie konkrete Übungen im Sūtra-Abend mit Dr. Christian Schmidt.]

Yoga-Sūtra II/45 (Patañjali)

Yoga-Sūtra II/44 (Patañjali)

Unser Problem ist nicht das Sein, sondern unser Bewusstsein! Unser Bewusstsein kann das (große) Sein nicht erkennen, weil es weithin von unserem Unbewussten beeinflusst und gesteuert wird. Deshalb ist es wichtig – dies ist auch die Haltung des Karma-Yoga –, der aktuellen Lebensrealität gegenüber eine gewissen Resilienz zu besitzen bzw. aufzubauen (Tapas). „Accept things as they are!“ (gem. Dr. Jayadeva Yogendra). Im zweiten Schritt kommt die Frage: Was ist meine Aufgabe in dieser konkreten Situation? Es ist i.d.R. nicht, den Platz zu verlassen, auf dem wir gerade stehen, sondern unsere Haltung, unsere Gedanken und Einstellungen – ja die Perspektive, mit der wir auf die Situation blicken – zu hinterfragen und sie unter einen größeren Blickwinkel zu nehmen. Der größere Blickwinkel ist – aus der Sicht des Yoga – immer das SELBST, zu dem es unsere Seele letztlich hinzieht. M.a.W. wir sollten diesen Platz, an dem wir stehen, aus diesem Blickwinkel heraus betrachten und uns etwa die Frage stellen, wie hilft mir die (vor)gegebene Situation auf meinem Yoga-Weg weiter? Wie erkenne ich den Anteil meines Unbewussten (in der Psychologie würde man vom „inneren Kind“ sprechen) bei meiner Haltung und Bewertung dieser realen Situation? Und hier kommt nun svādhyāya ins Spiel: Die Doppelübung aus Selbststudium und SELBST-Studium. Das Lesen spiritueller Texte ist dabei von entscheidender Bedeutung. Diese Doppelübung aus dem Lesen spiritueller Schriften und der Reflexion unseres Denkens, Fühlens und Handelns ist ein „schnelles Pferd“ auf dem Weg zum SELBST.

Um zu erwachen, sitze ruhig da

und lass Dir Atemzug für Atemzug

den Geist klären und das Herz öffnen:

Dieser dem Buddha zugeschriebene Satz beinhaltet für mich alles, was ich im Pranayama-Kurs vermitteln möchte:

„Um zu erwachen“ – das ist das, worauf wir hinarbeiten, der Grund, warum wir üben: Erkennen, was „menschengemacht“ ist – und was ewig. Was Wahrheit ist – und was Illusion.

„sitze ruhig da“ – das bedeutet: Die citta vrittis sind verschwunden – zumindest beruhigt – sodass sie nicht stören; einen nicht forttragen.

Und wir erleben die Stille. Die Stille als Kraftquelle.

Wenn wir „ruhig dasitzen“, dann sind wir mit dieser Kraftquelle verbunden; wir sind „ruhig“ und wir sind „da“.

„und lass Dir Atemzug für Atemzug“ – durch den Fokus auf den Atem gelingt das Sammeln auf einen Punkt: Atemzug für Atemzug bleibe ich beim Atem: Ich atme ein. Ich atme aus.

Atem ist Leben. Mit der Beobachtung des Atems haben wir Zugang zum SEIN.

„den Geist klären“ – mit dem Fokus auf den Atem wird der Geist geklärt – Gedanken und Gefühle, in die wir uns sonst „verwickeln“, wird die Nahrung entzogen und es ergibt sich sozusagen von selbst, dass wir Zugang zur Wahrheit bekommen.

„und das Herz öffnen“ – wenn die Klärung des Geistes glückt, wenn die Geistesschulung Wirkung zeigt, dann öffnet sich das Herz und wird weit. Das Herz als Ort der göttlichen Kraft, des universellen Bewusstseins, des reinen SEINs.

[Näheres sowie konkrete Übungen im Atem-Kurs (prāṇāyāma) mit Günter Schumacher.]