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Yoga-Sūtra II/25 (Patañjali):

Kurz vor dem achtstufigen Pfad (aṣṭāṅga-yoga), der mit Sūtra II/29 beginnt, macht Patañjali noch einmal einen entscheidenden Punkt: Nicht Samadhi, sondern erst der Zustand von Kaivalya führt zur endgültigen Befreiung. Erst dann geht der menschliche Geist (citta) in dem Großen Ganzen (Selbst) wirklich und auf Dauer auf. Das Selbst wird in dieser Sūtra, wie schon in vorangegangenen Sūtren, als Seher oder Beobachter bezeichnet. Je mehr wir uns mit dem Selbst verbinden und immer öfter und länger in der Haltung des (handelnden) Beobachters verweilen können, umso mehr werden uns die Wellen des Lebens nicht mehr „nass“ machen. Wir sind mehr und mehr in der Lage, „auf“ die Situationen zu blicken als „in“ ihnen verstrickt zu sein.

[Näheres sowie konkrete Übungen im Sūtra-Abend mit Dr. Christian Schmidt.]

Yoga-Sūtra II/24 (Patañjali):

Die „Mutter“ aller Kleśas (d. h. Leidbringer) ist die Unwissenheit; sie liegt den anderen vier Kleśas zugrunde und ist gleichsam ihr Mutterboden. Unwissenheit ist die Unfähigkeit, das Selbst wahrzunehmen bzw. in ihm zu verweilen. Wir sind im Zustand der Unwissenheit zu sehr mit der Welt verstrickt und lassen uns ablenken.

[Näheres sowie konkrete Übungen im Sūtra-Abend mit Dr. Christian Schmidt.]

Um zu erwachen, sitze ruhig da

und lass Dir Atemzug für Atemzug

den Geist klären und das Herz öffnen:

Dieser dem Buddha zugeschriebene Satz beinhaltet für mich alles, was ich im Pranayama-Kurs vermitteln möchte:

„Um zu erwachen“ – das ist das, worauf wir hinarbeiten, der Grund, warum wir üben: Erkennen, was „menschengemacht“ ist – und was ewig. Was Wahrheit ist – und was Illusion.

„sitze ruhig da“ – das bedeutet: Die citta vrittis sind verschwunden – zumindest beruhigt – sodass sie nicht stören; einen nicht forttragen.

Und wir erleben die Stille. Die Stille als Kraftquelle.

Wenn wir „ruhig dasitzen“, dann sind wir mit dieser Kraftquelle verbunden; wir sind „ruhig“ und wir sind „da“.

„und lass Dir Atemzug für Atemzug“ – durch den Fokus auf den Atem gelingt das Sammeln auf einen Punkt: Atemzug für Atemzug bleibe ich beim Atem: Ich atme ein. Ich atme aus.

Atem ist Leben. Mit der Beobachtung des Atems haben wir Zugang zum SEIN.

„den Geist klären“ – mit dem Fokus auf den Atem wird der Geist geklärt – Gedanken und Gefühle, in die wir uns sonst „verwickeln“, wird die Nahrung entzogen und es ergibt sich sozusagen von selbst, dass wir Zugang zur Wahrheit bekommen.

„und das Herz öffnen“ – wenn die Klärung des Geistes glückt, wenn die Geistesschulung Wirkung zeigt, dann öffnet sich das Herz und wird weit. Das Herz als Ort der göttlichen Kraft, des universellen Bewusstseins, des reinen SEINs.

[Näheres sowie konkrete Übungen im Atem-Kurs (prāṇāyāma) mit Günter Schumacher.]